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03.04.2012

Jan Mayer, koordinierender Verantwortlicher für den Einsatz der Sportpsychologen für London 2012: Viele Kollegen sind jetzt bereits stark in die Vorbereitung involviert

von: Wirkhaus , in Kategorie: Angewandte Sportpsychologie

[03.04.2012] 

Vor kurzem gab es ein erstes Vorbereitungstreffen der in den olympischen Spitzenverbänden tätigen Psychologen. Wie verlief das Treffen und über welche Schwerpunktthemen wurde sich ausgetauscht?

Das Treffen im November verlief sehr angenehm, positiv und konstruktiv.  Neben dem Fahrplan nach London ging es um das Selbstverständnis des Sportpsychologen im Olympiateam, den Umgang mit Medien, sowohl beim OS aber auch generell. Darüber hinaus wurde die neue Gebührenordnung GOSp 2012 vorgestellt und die Umsetzung von Verbandslösungen Sportpsychologie in den Spitzenverbänden diskutiert. Besonders begrüßt wurde die Session "Intervision", bei der sich die sportpsychologischen Betreuer der Nationalmannschaften beraten und austauschen konnten.

Stichwort Selbstverständnis des Sportpsychologen im Olympiateam: Wie werden die betreuenden Sportpsychologen aufgenommen und in ihrer Arbeit und Vorbereitung unterstützt?

Die Sportpsychologen arbeiten zumeist seit längerer Zeit - viele schon über Jahre hinweg -im Spitzenverband mit den Trainern und Sportlern zusammen. Das heißt, sie sind dort nicht nur aufgenommen, sondern respektierte und akzeptierte Experten im Funktionsteam um den Trainer. Die Zusammenarbeit mit Trainern, Ärzten, Physiotherapeuten oder Ernährungsberatern des Spitzenverbands ist bereits eingespielt und funktioniert in der Regel reibungslos. Um die Sportpsychologen, die gegebenenfalls mit nach London fahren werden, weiter aufeinander abzustimmen und vorzubereiten, findet Ende April ein weiteres Teamtreffen, diesmal auch mit den Ärzten und Physiotherapeuten statt. 

Intensiviert sich die Zusammenarbeit Verband und Sportpsychologe bereits im Vorfeld auf die Spiele? Inwieweit bereitet der Sportpsychologe schon jetzt systematisch auf das Highlight Sommerspiele vor?

Grundsätzlich ist die Arbeit in den olympischen Spitzenverbänden und des DOSB langfristig angelegt und auf den sportlichen Hauptwettkampf, die Olympischen Spiele, ausgerichtet. Auch im Rahmen der sportpsychologischen Betreuung wird systematisch auf dieses Großereignis hingearbeitet. Entsprechend haben die Sportpsychologen in den Betreuungsprojekten die Inhalte ihrer Arbeit abgestimmt. In vielen Sportarten geht es jetzt noch um die Qualifikation für die Spiele und nicht wenige Kollegen sind hier stark involviert.

Ein anspruchsvoller Faktor für Sportler ist der Umgang mit den Medien. Wie behandeln Sie das Thema im Vorfeld und welche Ratschläge/Richtlinien geben Sie mit?

Im Rahmen ihrer Möglichkeiten beraten die Sportpsychologen die Athleten zu diesem Punkt. Das Hauptaugenmerk ihrer Arbeit liegt jedoch in den klassischen sportpsychologischen Aufgabenschwerpunkten, wie zum Beispiel dem sportpsychologischen Training, der Teamentwicklung und psychoregulativen Verfahren.

Welchen anderen außergewöhnlichen Situationen können Sportpsychologe und Sportler  während der Spiele ausgesetzt sein? In welchem Maße kann man sich darauf vorbereiten?

Vielleicht verdeutlicht die Unterscheidung zwischen dem „erwartet Besonderen“ und dem „unerwartet Besonderen“, welche Inhalte in der Vorbereitung aus sportpsychologischer Perspektive berücksichtigt werden müssen.

Zum „unerwartet Besonderen“ zählt die Intensität des Ereignisses,  der erhöhte Erwartungsdruck, viel mehr Öffentlichkeit, unter Umständen veränderte Abläufe und das enorme Ablenkungspotential. Hier wird versucht, mit entsprechenden sportpsychologischen Techniken die Sportler und Trainer vorzubereiten.

Das „erwartet Besondere“ ist zum Beispiel der Umgang mit den Medien, die Situation in London vor Ort (Logistik etc.), aber auch das Phänomen „Familie ante Portas“: Gerade im Gegensatz zu Peking wird es in London für sehr viele Personen möglich sein, ohne Einschränkung durch Visum, und in nur wenigen Stunden Anreise vor Ort zu sein. Dies kann natürlich Ablenken und für zusätzlichen Stress beim Sportler sorgen. Auch hierfür müssen Verhaltensweisen und Handlungsstrategien vorbereitet sein.

Wird es auch eine Betreuung für das paralympische Team geben?

Über die ZKS wird lediglich die sportpsychologische Betreuung in den Olympischen Spitzenverbänden koordiniert.

Die Spiele finden vom 27. Juli bis 12. August in London statt. Wie sieht Ihr Fahrplan als koordinierende Verantwortliche für den Einsatz der Sportpsychologen weiter aus?

Im Vordergrund steht nun das Teamtreffen Ende April. Die Nominierung erfolgt dann bis Anfang Juli durch den DOSB. Wenn dann klar ist, wer tatsächlich mit nach London fährt, werden Aufgaben und Abstimmungen in dieser kleinen Runde noch erfolgen. Geplant ist zudem, einen sportpsychologischen Rufdienst für die Mannschaftsleitung während der Spiele einzurichten.



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