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08.05.2012

Simone Moczall und Marc-Oliver Löw im Interview zu ihrem Workshop „Choking under Pressure“ im Rahmen der asp-Tagung

von: Wirkhaus , in Kategorie: Kongresse

[08.05.2012]

Wie erklärt sich die Sportpsychologie dieses Phänomen des Versagens unter Druck?

In der Sportpsychologie gibt es zwei Erklärungsansätze, die hoch diskutiert sind. Die Ablenkungstheorie geht davon aus, dass Versagen unter Druck aufgrund von ablenkenden Sorgen und Gedanken eintritt. Aufgrund dessen muss das Arbeitsgedächtnis bei der Lösung der Aufgabe Kompromisse eingehen und eine vollständige Konzentration auf die Aufgabenlösung ist nicht gegeben. Die Folge ist eine Leistungsverschlechterung.

Dahingegen geht die Selbstaufmerksamkeitstheorie davon aus, dass der Wettkämpfer versucht, seine Bewegung zu kontrollieren und der eigentlich impliziten Bewegung einer expliziten Kontrolle zu unterwerfen. Die Folge ist eine Schritt-für-Schritt-Ausführung und die Unterbrechung eines sonst automatisierten Bewegungsablaufes.Welche Theorie einen größeren Wahrheitsgehalt hat, konnte die Wissenschaft bisher nicht eindeutig klären.
 

Frau Moczall, Sie haben Ihre Testreihen mit professionellen Dartspielern und Leichtathleten durchgeführt. Was war der Grund für die Auswahl dieser Sportarten und wie sind Sie vorgegangen?

Mit der Sportart Darts bin ich schon während meiner Masterarbeit in Kontakt gekommen. Es ist eine faszinierende Präzisionssportart, die eine hohe psychische Stärke von den Athleten fordert. In meiner Dissertation habe ich die Analyse des Phänomens des Choking under Pressure in mehreren Sportarten durchgeführt (Darts, Leichtathletik, Biathlon, Bahnengolf, Petanque, Handball, Basketball), da aus theoretischer Sicht nichts gegen dieses Vorgehen spricht und mir so die Möglichkeit gegeben war, durchweg mit Athleten auf einem hohen Leistungsniveau zu arbeiten.

Ich habe eine Video(selbst)konfrontation mit den Athleten nach einem für sie bedeutungsvollen Wettkampf durchgeführt. So konnte ich direkt im Anschluss an den Wettkampf die Kognitionen der Athleten über ein offenes Interview aufnehmen und später auswerten. Dieses Vorgehen bot mir die Möglichkeit, nicht nur die Kognitionen von Athleten mit Choking-Leistungen sondern auch von Athleten mit guter und mittlerer Leistung (mit möglicherweise schlechten Teilleistungen im Wettkampf) zu vergleichen und Rückschlüsse für die Praxis zu ziehen.

Wird es im Workshop für die Teilnehmer auch die Möglichkeit geben, praktische Erfahrungen zu sammeln und einen persönlichen Eindruck Ihrer Arbeit zu erleben?

Selbstverständlich wird es diese Möglichkeit geben, da der Workshop das Anliegen hat, theoretische Erkenntnisse praktisch erleben zu können mit dem Ziel, in der Diskussion Praxis und Theorie miteinander in Beziehung zu setzen. Aufgrund der schon vorangegangen Arbeit mit Dartspielern, haben wir einen kleinen Selbstversuch in der Sportart Darts entwickelt, dem sich die Teilnehmer des Workshops stellen können.
 

Kann man sich als Leistungssportler vor diesem Phänomen schützen, bzw. gibt es Strategien, um mit dem Druck umzugehen?

Aus der Studie, in der Choking under Pressure erfasst und analysiert wurde, konnten Faktoren ermittelt werden, die einen entscheidenden  Einfluss auf das Erleben von Choking haben. Als einer der Auslöser sind ablenkende Gedanken zu nennen und als Strategie demgegenüber ein Training zur Erhöhung der Konzentrationsleistung. Weitere Strategien werden im Rahmen des Workshops anhand eines Praxisbeispiels aus der Leichtathletik aufgezeigt und diskutiert.

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Alle weiteren Informationen zur Jahrestagung unter www.asp2012.de



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16th European Congress of Sport and Exercise Psychology

Padova, 11.-16. Juli 2022